Interview mit Manuel Andrack

 

Redaktion: Sie nennen sich „Autor und Wanderer“. Eine erfolgreiche Kombination bislang. Kommen Ihnen beim Wandern die Ideen zum Schreiben - auch über das Wandern?

 

Manuel Andrack: Gehen und Denken gehören zusammen. Mir kommen die Ideen zum Schreiben, wenn ich unterwegs bin. Der Kopf wird voll statt leer. Im Sitzen kann man nicht denken.

 

Redaktion: Sie sind Redakteur und Moderator, aus dem Fernsehen vor und hinter der Kamera sowie aus dem Rundfunk bekannt. 2008 sind Sie aus der Harald Schmidt Show ausgestiegen und haben sich sehr dem Wandern verschrieben. Hat das Wandern Sie befreit vom „Business“?

 

Manuel Andrack:

Ich bin schon als Kind viel mit der Familie gewandert, mit Anfang 30 habe ich das Wandern wieder entdeckt. Die Begeisterung am Wandern möchte ich jetzt meinen eigenen Kindern weitergeben. Aber ich bin schon immer parallel zur Arbeit gerne gewandert, daher war es nie eine „Befreiung vom Business“.

 

Redaktion: Ihr erstes Buch hat den auffordernden Titel „Du musst wandern“ (2005). Warum eigentlich „müssen“?

 

Manuel Andrack: Der Begriff „müssen“ geht eher auf ein Wortspiel zurück: „Ringlein, Ringlein du musst wandern, von dem einen Ort zum andern ...“. Auch hier heißt mein Motto 'Wandern befreit den Geist, um zu neuen Ideen zu kommen'.

 

Redaktion: Wandern hält gesund und fit, in Bewegung, sucht die Natur, ist Genuss und entschleunigt - so heißen die allgegenwärtigen Schlagworte des Trends Wandern. Sie haben dies ausführlich beschrieben - oftmals aus der Ich-Perspektive. Was macht Wandern für Sie - „ganz tief in Ihrem Innern“ - aus? Alles das Genannte, oder überwiegt etwas? Oder etwas Neues dazu?

 

Manuel Andrack: Entscheidend für das Wandern ist die Entdeckungsfreude. Nicht immer die gleichen Wege gehen, neue Landschaften und Menschen kennen lernen. Wandern ist so vielfältig.

 

Redaktion: Sie sind als Kölner, jetzt als Saarbrückener (letzteres vielleicht ein bisschen weniger) Stadtmensch. Wandern als Städterer - Flucht, Freiheit, einfach nur raus …?

 

Manuel Andrack: Das Wandern ist eine willkommene Alternative, jenseits von Autobahnen und Häuserschluchten. Das Wandern ist eine Erholung für alle Sinne in der Natur, gerade für einen Städter.

 

Redaktion: In Ihrem neuen Buch „Das neue Wandern - Unterwegs auf der Suche nach dem Glück“ schreiben Sie über das perfekte Wandern - raus aus der „Spießigkeit des Wanderns“. Wie sehen denn zum einen „spießiges Wandern“, zum anderen „das Glück der perfekten Wanderung“ aus?

 

Manuel Andrack: Wandern ist nicht spießiger als alle anderen Freizeitbeschäftigungen. Es gibt natürlich ein Klischee des Wanderers, aber da möchte ich nicht groß missionieren; das muss jeder für sich selbst entscheiden. Zum Glück einer perfekten Wanderung gehört für mich die Abwechslung, schönes Wanderwetter sowie zuletzt sich nicht zu verlaufen und gut einzukehren.

 

Redaktion: Sie geben Ihren Wanderungen eine Bewertung mit Faktoren wie Glück, Erlebnis, Abenteuer, Sicherheit, Sport oder Abwechslung. Wie sind Sie auf eine Auswahl gerade dieser Faktoren gekommen?

 

Manuel Andrack: Die Faktoren betreffen für mich als Wanderer, der selbst unterwegs ist, die Qualität des Wanderns. Jeder Wanderweg hinterlässt eigene Eindrücke. Für mich sind Bewegung, Glück und mein eigenes Seelenempfinden entscheidend.

 

Redaktion: Sie kennen sich mittlerweile ausgezeichnet im Wandern, in der Wanderszene aus: von Extrem- zu Fastenwanderungen, Wandern in deutschen Mittelgebirgen, den Wanderwissenschaftler Dr. Brämer, den Deutschen Wanderverband, die Wissenschaft rund um das Wandern, Wirtschaftsfaktor Wandern. Vieles in Ihrem Buch sind eigene Erfahrungen, vieles Recherchen. Wie sind beide anteilig beim Schreiben vertreten?

 

Manuel Andrack: Ich habe mein Hobby zur Profession gemacht. Ich treffe viele Experten und schließe Kontakte auf Messen und zu Wandervereinen. Dabei sauge ich auf, was Wanderer mir an Erfahrungen und Eindrücken mitteilen. Eigentlich bin ich aber ein Autodidakt.

 

Redaktion: Wie kann man das Wandern im Verein jung halten, damit auch Kinder und Jugendliche organisiert mit wandern?

 

Manuel Andrack: Dabei sind die Eltern wichtig. So gibt es beispielsweise im Schwäbischen Alpverein einmal die Woche ein Treffen mit der Wanderjugend. Dabei wurden Veranstaltungen, Grillfeten oder Wanderungen vorbesprochen bzw. gemacht, oder einfach auch einmal ein Video gesehen. Früher war der Verein die zweite Heimat, das hat sich heute geändert. Zudem fehlt der Mittelbau zwischen 35 und 50 Jahren. Wandern wird immer mehr individueller, so dass eine echte Vereinsbindung nicht mehr entsteht

 

Redaktion: Sie machen sich ja mit Ihrer Aussage „Wanderer, hört die Signale und werdet Mitglieder der Wandervereine des Wanderverbands!“ Glauben Sie wirklich, dass viele Andere auch so denken? Was soll ihre Motivation sein?

 

Manuel Andrack: Da möchte ich zum Nachdenken anregen. Die Leistungen von Wandervereinen sollte man unterstützen. Vor allem was die Wegemarkierungen angeht. Es ist großartiges Ehrenamt, was für uns bedeutet, dass wir die Wanderwege auch kostenlos nutzen können. Sonst müssen wir für Wanderwege bezahlen, wie es teilweise in der Schweiz der Fall ist. Ich bin Mitglied in zwei Wandervereinen und muss sagen, die Jahresmitgliedsbeiträge sind nicht so hoch, dass man sie sich nicht leisten könnte.

 

Redaktion: Waren Sie schon einmal in der Rhön, kennen Sie „die basaltenen Bergeshöhen? Wenn ja, was gefällt Ihnen bei uns? Damit verbunden die Frage: Kennen Sie den Rhönklub?

 

Manuel Andrack: Den Rhönklub kenne ich, auch der Hochröhner ist mir bekannt. Leider ist die Rhön für mich eine unentdeckte Region, das heißt aber auch eine unentdeckte Andrack-Liebe.

 

Redaktion: „Das Glück des Wanderns“ als prägnanter Slogan anders formuliert, der uns mitreißt: Fällt Ihnen einer ein?

 

Manuel Andrack: Das Glück der Erde liegt auf Schusters Rappen!

 

Manuel Andrack, wir danken für das Gespräch!

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