Der Rhönklub Kassel wurde mit der Eichendorff-Plakette ausgezeichnet - Ein Jahrhundert Rhönklub Kassel

Es ist eine Ära, die mit dem in Hilders gebürtigem Kasseler Hofbuchhändler Carl Vietor begann. Nach mehreren Rhön-Wanderungen, die er mit vier Wanderfreunden 1911 durchführte, waren diese so begeistert, dass sie einen Rhönklub-Zweigverein in Kassel begründen wollten. Das geschah, als Kassel noch mit „C" geschrieben wurde, am 16. Dezember 1911. Jetzt, 100 Jahre später, feierten die Mitglieder des Rhönklub Kassel ihr Jahrhundertfest. Aus diesem Anlass erhielt der Zweigverein die Ehre, mit der höchsten staatlichen Auszeichnung für Gebirgs- und Wandervereine, der von dem ehemaligen Bundespräsidenten Carl Carstens gestifteten Eichendorff-Plakette ausgezeichnet zu werden.

Rhönlied und Rhöner OB

Im Waldhotel „Schäferberg“ in Espenau, unweit der Stadt, fanden sich am 17. Dezember über 90 Mitglieder und Ehrengäste ein, um an das 100-jährige Bestehen und die Vereinsgeschichte zu erinnern. Im gut gefüllten Saal spielte das Trio „Variabolo“ zur Aufmunterung das Rhönlied. Obwohl Kassel nicht mehr „so ganz" in der Rhön liegt, sangen die Mitglieder des nördlichsten hessischen Zweigvereins, als seien sie gerade selbst in der Buchonia unterwegs. Zwischen „Zieh an die Wanderschuh" – der Hymne der Rhön - und Eichendorff Liedern, begrüßte der 2. Vorsitzende Harald Haverkamp die Gäste.

Der Vorsitzende Andreas Koch führte in seinem Festvortrag „Aus der Vergangenheit in die Zukunft“ durch die wechselvolle Geschichte. Rhönklub-Präsident Ewald Klüber und der Gründerenkel Vietor fanden bewegende Worte. Bei der Überreichung der Eichendorff-Plakette sprach Oberbürgermeister Bertram Hilgen, der aus der Rhönstadt Tann gebürtig ist, in seiner Rede neben Glückwünschen auch seine Herkunft und Verbundenheit zum Rhönklub und zur Rhön an. Die Eichendorff-Plakette nahm Gertrud Strauch, ältestes Mitglied seit 1943, freudig entgegen. Eine Urkunde der Stadt Kassel aus Anlass des Jubiläums händigte Hilgen dem Vorsitzenden Andreas Koch aus.

Gäste waren unter anderem der Vorsitzende des Vereins für Hessische Geschichte Karl-Hermann Wegner sowie Abordnungen der befreundeten Wandervereine des Hessisch-Waldeckischen Gebirgsvereins aus Kassel und Fuldatal.

In den 100 Jahren des Zweigvereins gab es bisher 12 Vorsitzende, deren Namen stellvertretend für viele aktive Wanderfreunde genannt wurden. Gründer Carl Vietor bis 1927. Carl Machwirth, Heinrich Messerknecht, Heinrich Böttger, Karl Sippel (aus Wüstensachsen), Andreas Hermann, Albert von Jan, Helmar Busse, Fritz Richter, Karl Brandt, Reinhardt Range und Andreas Koch.

Andreas Koch führt den Rhönklub seit 1978 nun schon im 33. Jahr. Er kam in früher Kindheit durch seinen Großvater Clemens Weber, der, aus dem Eichsfeld kommend, sich früh dem Verein anschloss und viele Jahre bis 1944 als Wanderwart tätig war, zum Wandern. 1950, als 18-Jähriger, wurde er Mitglied, gründete 1953 eine Jugendgruppe die zehn Jahre bestand. Sieben Jahre hat er danach als Hauptjugendwart dem Rhönklub gedient. Der Rhönklub hat ihn sein Leben lang geprägt, und er erzählt von der Vereinsgeschichte. Eigentlich sind es „seine" Gäste, die am „Schäferberg" sitzen. Denn nur Gertrud Strauch als Ehrenmitglied kann sich an die Zeit vor seiner Amtszeit erinnern.

Meilensteine im ZV Kassel

„Erinnerung aus Verantwortung für die Zukunft", betonte Rhönklub-Präsident Ewald Klüber in seiner Rede zum Festakt. Damit war gemeint, dass jeder und insbesondere der Rhönklub die Verantwortung hat, die Erinnerungen auch für die Zukunft wach zu halten. Ein nennenswerter Meilenstein des Vereinslebens in Kassel war 1926 die Bestrebung, am Buchschirmküppel in der Gemeinde Hilders das „Casseler Haus" zu errichten, was leider in der Bauphase zum Erliegen kam. Die Gleichschaltung der Vereine während des Nationalsozialismus blieben in Kassel, so wie in anderen Zweigvereinen, nicht aus. Der Zweite Weltkrieg forderte viele Opfer und brachte Zerstörungen der Wohnungen.

1989 gelang es dem Zweigverein Kassel als einzigem, zum Wandertag in Berlin mit zehn Teilnehmern zu Fuß von Kassel nach Berlin durch die sich in Auflösung befindliche DDR zu wandern. Im Folgejahr 1990 vollendete sich das „Wandern über Grenzen“ in der ersten durchgehenden Rennsteigwanderung einer westdeutschen Wandergruppe von der Saale zur Werra in den Wochen der Grenzöffnung.

Kassel und die Rhön sind verbunden

Die Rhönliebe der Mitglieder und die Heimatliebe der Gründer verbanden den Rhönklub Kassel mit der Rhön. Die Fulda entspringt an der Wasserkuppe und führt über Kassel nach Hann. Münden. Dort verbindet sich die Fulda mit der Werra zur Weser. 1983 wurde der Fuldawanderweg von der Quelle bis zur Mündung als Beitrag des Kasseler Rhönklubs und Verbindung zur Rhön angelegt und markiert.

1986, zum 75. Jubiläum, fand die Hauptversammlung des Rhönklubs in Kassel statt, die dem Verein viele neue Mitglieder bescherte. Seit über 30 Jahren ist der Rhönklub Ideengeber und Mitausführender der jährlichen 63 Prozent Wanderung in Kassel. Neben zahlreichen Bänken und Sitzgruppen im Habichtswald und am Dörnberg begannen die Wanderfreunde mit der Errichtung von Nachbildungen von Grenzsteinen an der Stadtgrenze zum Umland. An über 165 Kilometern Stadtgrenze gab es nur in Wolfsanger auf einem Abschnitt von rund 1,5 Kilometern alte Grenzsteine aus dem 16. Jahrhundert. 2005 wurde der älteste nachgewiesene ehemalige Kirchweg zwischen Ihringshausen und Wolfsanger neu markiert und 2007 ein ökumenisches Wegkreuz neu geschaffen.

Eichendorff-Plakette

Der wichtigste Punkt der Festveranstaltung, war die Auszeichnung des Zweigvereins mit der Eichendorff-Plakette. Die höchste staatliche Anerkennung für Gebirgs- und Wandervereine erhalten nur Vereine, die 100 Jahre bestehen. Die Plakette besteht aus weißem Porzellan mit einem Durchmesser von 16,5 Zentimetern. Sie zeigt einseitig das Porträt des Joseph Freiherr von Eichendorff. Einseitig den Bundesadler mit Text: Für Verdienste um Wandern, Heimat und Umwelt. Der amtierende Bundespräsident entscheidet darüber, ob ein Verein einer Verleihung würdig ist. Es handelt sich dabei um die größte nicht tragbare Auszeichnung des Bundespräsidenten. Auf Wunsch des Rhönklubs erfolgte die Übergabe durch den Kasseler Oberbürgermeister Bertram Hilgen. Das Antragsverfahren war langwierig und entsprach deutscher Bürokratie.

Der Rhönklub in Kassel ist bekannt unter dem Motto „Wandern und Kultur“. Das enthält auch öffentliche Stellungnahme zu Fragen der Denkmalspflege, der Anlage und Erhaltung von Wander- und Radwegen, Eingriffen in die Natur und anderes mehr. Der Verein bietet sich als Gesprächspartner an.

Das Wandern im Rhönklub kann durch inzwischen neun Wanderführer/innen gesichert werden. Für die Vorstandsposten wird noch eine Nachfolgeregelung zu lösen sein. Andreas Koch wünscht sich, das in Gemeinschaft mit allen Mitgliedern zu gestalten, um die Zukunft zu gestalten.

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